als ich dich brauchte

als ich dich brauchte
warst du fort
wahrscheinlich
kannte ich dich nicht einmal
wusste nichts
vom tröstenden Klang deiner Stimme
ahnte nicht die Bedeutung
deines flüchtigen Blicks
die geheimen Zeichen
deiner sich entfernenden Schritte
nun
da ich gelernt habe
zu überleben
bist du hier
alles was ich weiß
ist Abschied

in die Ferne

in die Ferne
zieht mich
Ungewissheit
drängt mich
zum hastigen Abschied
bald schon stehe ich
unter fremden Himmeln
werfe meinen Blick
hinaus
auf die Weiten des Ozeans
schiffbrüchig
und vergessen
dem weltlichen Treiben entwunden
diesen Worten gleich
verendend
ohne einen Hauch
von Wissen

vernebelt

vernebelt
die schmalen Pfade
der Erinnerung
entlang am Abgrund
die Welt
bei näherer Betrachtung
entpuppt sich
als gefleckter Spiegel
meines eigenen Gewinsels
wohin die Zeit
ich kann es dir sagen
eingebrannt ist sie
ins Leder deiner Worte
die niemals
über deine Lippen kamen

als ich dich sah

als ich dich sah
wusste ich
um die Verwerflichkeit
des Sichtbaren
schweigen sollte ich
vielleicht
für immer
den Stimmen lauschen
die den Raum ausfüllten
dem Flüstern
das mir riet
unbemerkt zu bleiben
Requisit
auf der Bühne
einer unbedeutenden Komödie

grüße mir die Sehnsucht

grüße mir die Sehnsucht
das leere Versprechen
des Lebens
berichte
von meinen Träumen
so wirklich
wie der schreiende Vogel
auf dem Dach des Hauses gegenüber
erzähle allen
die Geschichte meines Lebens
kurz und knapp
blutig
damit niemand sich langweilt
denke daran
die Sterbenden zu trösten
schenke ihnen
Vergessen
vergrabe schließlich
alle Hoffnung dieser Welt
in einem Wald
wo keine Menschenseele je sie findet

allein

allein
unter nächtlichem Himmel
die Tageshelle
verborgen
in meiner Hosentasche
gehe ich ziellos durch die Straßen
jener Stadt
die mich das Sterben lehrte
lautlos und unbemerkt
ich blicke in die Gesichter der Toten
die sich um mich versammeln
wie eine Horde Motten
Lichtsuchende
deren Namen ich vergaß
in ihren leeren Augen
spiegelt sich
die Leichenblässe meiner Einsamkeit
Freunde
sind wir nie gewesen
Liebende nimmer

du bist meine Wunde

du bist meine Wunde
der pochende Schmerz
in allem
was ich bin
oder niemals sein werde
immerfort
begleitest du mich
noch auch der Flucht
sogar
im Vergessen
mein Halt bis du
wenn ich mich verliere
ich klammere mich an dich
wie an den Mast
eines sinkenden Schiffes
du bist Leben
im Angesicht des Todes
den du mir bringst
wie könnte ich dir näher sein

nur ein Irrtum

nur ein Irrtum
dein Blick
längst schon weißt du
von meinem Verschwinden
die Berührung
nur ein Versehen
schmerzhaft
wie der nächtliche Gesang
einer Grille
ein Wort hätte genügt
mich zu zerreißen
vielleicht hast du es gesagt
irgendwer
gedankenlos
inmitten der geschwätzigen Dinge

kein Himmel mehr

kein Himmel mehr
keine Wolke
die mich auffängt
ungebremst
stürze ich
in die Arme des Wirklichen
niemand sieht mich
verglüht bin ich
vor aller Augen
Asche
mein Lieben
vom Winde verweht
Staub
mein Fleisch und Blut
schwarzer Rauch
der in die Leere aufsteigt

die Nacht

die Nacht
zerschnitten
von deinem Lachen
Tränen gleich
tropfen die Sterne
aus klaffenden Wunden
still und starr
ruht das offene Herz
des Wanderers
zu deinen Füßen
tritt mich
damit die Welt sich dreht
blutrot
dein Name
auf meiner Stirn
nichts als ein Wort
in einer unbekannten Sprache
schließlich
wenn alle Stimmen verstummt sind
bleibt in meinem Kopf
das Rauschen