Ein letzter Atemzug, bevor dieser Tag sich aus dem Staub macht, ohne Glanz und Fanfaren, klammheimlich wie ein räudiger Hund. Ein letzter Blick, nach langem Regen, zum wolkenlosen Himmel. Zeit für einen Wink mit dem Zaunpfahl. Wie ich mich auch drehe und wende, der eisige Hauch bügelt mir die zerknirschte Denkerstirn glatt. Wie Fähnchen im [...]
Archiv für das Stichwort ‘Atem’
Außer Atem
8. April
Außer Atem, obwohl ich mich nicht von der Stelle rühre. Fast schlafe ich und schnaufe dennoch wie ein Nashorn auf der Flucht. Dahin ist alle Leichtigkeit – was immer ich tue, wiegt so schwer, dass es mich beinahe erdrückt. Jeder meiner Atemzüge stemmt unsichtbare Gewichte, meine Brust hebt und senkt sich mühselig unter der Last [...]
Die Welt ist Müdigkeit
11. April
Die Welt ist Müdigkeit, zumindest an diesem Abend, der nicht enden will, die Welt ist Schlaf, traumlose Schwärze in deinen Augen, die sich öffnen und schließen wie verlassene Gräber um Mitternacht. Die Welt ist dieser angehaltene Atem, dein Lachen, während ich mich vor Schmerzen krümme, deine Nacktheit, sorglos unter freiem Himmel. Die Welt ist unendlich [...]
Atemnot
12. April
Atemnot inmitten völliger Frische. Ich schnappe nach Luft, ohne meine Lungen füllen zu können, der Sauerstoff lässt mich ersticken, macht mich krank, während ich doch bloß versuche, am Leben zu bleiben. Dabei droht mir keine Gefahr, denn in Wirklichkeit bin ich längst gestorben. Ich atme und bin doch zugleich ein anderer: jemand, der blau anläuft, [...]
Geradeaus in die Irre
10. Mai
Geradeaus in die Irre oder mit dem Kopf durch die Wand einer Seifenblase, auf den Spuren des Sonnenscheins mitten ins Herz des Schattens, den kürzesten Weg wählen – in die Regungslosigkeit. Den Atem anhalten, um darin ein Stück der Welt zu bewahren, in mir verborgen wie ein Schatz oder ein Geschwür, ein Häppchen Wirklichkeit – [...]
Mit der Wand durch den Kopf
19. Mai
Mit der Wand durch den Kopf, wenn nichts mehr geht oder nichts mehr von Bedeutung ist. Am Ende nichts als Schweigen im Walde, das Exil der Stille, dem schnöden Tageslicht verborgen. Nichts als stumme Blicke, die von den Dingen abperlen, dem Wirklichen fremd wie das Geräusch einer fallenden Feder auf befahrener Straße, mitten in der [...]
Rauschen
4. September
Rauschen auf dem Weg zur Musik, bestimmt für die Ohren der Schlafenden, der Träumenden am Rande der Zeit. Ein paar Takte nur, die dich entführen, während du dich selbst vergisst. Klänge wie Regentropfen auf der Haut der Stille. So schlicht und bescheiden wie ein Weltuntergang. Ruhe sanft, der du verloren bist – im Schatten deines [...]
Atemluft
20. September
Atemluft wird knapp, hier in den Niederungen des Alltags, wo alles sein Maß hat und seine feste Größe. Ertrinken in Zahlen und Formen, während über mir der Himmel seine Farbe wechselt. Keine Panik. Nur die Beharrlichkeit der Sorge. Ein qualvolles Ersticken – aber nicht zu Tode. Vielmehr als ob man in völlige Dunkelheit und Stille [...]
Frei atmen
7. November
Frei atmen, wie man das Licht atmet oder die Wärme. Gierig die Luft verschlingen mit all den unsichtbaren Welten, von denen wir nicht einmal eine Ahnung haben. All die Staubkörner des Lebens, die wir auf dem Gipfel unseres Fiebers erträumen. Die Weite des Himmels inhalieren, das Lachen Gottes auf der Haut unseres Schlafs. Geheimnisvolle Fremde. [...]