Tiefe Finsternis am hellichten Tag: mein Herz, jener unbekannte Ort hinter den Bergen aus Traurigkeit. Ohne Hoffnung breche ich auf, begebe mich auf den Holzweg, umnachtet, betrübt. Der schwarz gefiederte Schrei einer Krähe – wunderliches Tier, nicht einmal du willst mich begleiten. Wohin verliere ich mich? In welche Abgeschiedenheit, welche Unauffindbarkeit? Die schwankende Erde unter [...]
Archiv für das Stichwort ‘Finsternis’
Wovon träumen wir
15. Februar
Wovon träumen wir, wenn unser Leben selbst zu einem Traum geworden ist – ohne Erwachen. Zu einem Griff nach den Sternen in uns, schwarz und stumm. Zu einer Reise ans Ende der Welt. Wenn all die Tode, die wir sterben mussten, umsonst gewesen sind. All die Momente, die zu Asche wurden im Fegefeuer der Erinnerung. [...]
Unendliche Weiten
25. Februar
Unendliche Weiten der Angst, dieser Schwarm sterbender Vögel in meinem Blut, in meiner Einsamkeit. Was schon weiß ich von ewiger Verdammnis? Ein Sklave des Lichts und der Farben inmitten der Finsternis, ein Reisender bin ich, der sein Ziel niemals verließ. Nichts als Ferne, wohin ich auch blicke. Kein Wunder, dass ich mir selbst ein Fremder [...]
Kraftlose Schönheit
28. März
Kraftlose Schönheit unter freiem Himmel. Die Armseligkeit meines Denkens, so fern der Heimat. Auf dieser Seite des Spiegels bin ich ein Fremder, den Menschen ein Rätsel, ohne Gesicht, namenlos, Sand in den Händen des einen Gottes, der mich vergisst, noch während er mich ansieht. Lichtjahre sind es, die uns trennen – in völliger Finsternis.
Sieben Leben
10. April
Sieben Leben, die du an einer Hand abzählen kannst, um daran zu sterben. Kopfüber tauchst du ins Eiswasser des Vergessens, du öffnest deine Augen in völliger Finsternis, ohne zu wissen, woher du kommst und wohin du gehst. Ein neuer Mensch auf dem Sprung in eine bessere Welt. Sieben Leben, von denen kein einziges genügt, weil [...]
Ans andere Ufer
18. April
Ans andere Ufer, mitten in der Nacht, der Finsternis entgegen. Wortkarg der Fährmann, einem düsteren Traum entstiegen, ganz ohne Gesicht im spärlichen Schein einer flackernden Funzel. Das kalte Wasser umschmeichelt die Dürre meiner Gedanken – was nur will ich dort, auf der anderen Seite? Jetzt. Um diese Zeit. Von einem Schatten lasse ich mich ins [...]
Tag ohne Licht
27. April
Tag ohne Licht – mein Leben nur ein Schatten deines Fernbleibens, ein dunkler Fleck auf diesem weißen Blatt Papier. Ich vermisse dich nicht, ich erkranke an deiner Abwesenheit, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Um ehrlich zu sein, bemerke ich es nicht einmal – ich lausche bloß dem Geflüster in mir, den Gerüchten, [...]
Stiller Gesang
7. Mai
Stiller Gesang in den Abgründen der Finsternis, kaum ein Flüstern, das zu mir dringt, keine Melodie – nur das seltsame Rauschen eines Traums, der mir von ferne vertraut ist, schließlich aber verblasst. Gesang ist das falsche Wort. Eher ähnelt es einem erstickten Raunen oder vielleicht einem sorgenvollen Seufzen. Es ist so nah, so bedeutungslos, so [...]
Stille Nacht
27. Mai
Stille Nacht unter freiem Himmel, eingesperrt in die Ewigkeit, das farbige Rauschen der Finsternis. Für einen Moment der Welt abhanden gekommen – wie ein Schrei, der ungehört verhallt. Und doch beide Füße auf festem Grund, mit einem Zugvogel im Herzen, der mir die Ferne zuflüstert, das Unbekannte hinter dem Gartenzaun. Tief verwurzelt in der Wirklichkeit, [...]
Abgesang
28. Juni
Abgesang auf die Finsternis im Herzen des hellichten Tages. Berauscht von der eigenen Tatenlosigkeit, dem Zögern, dem vorweggenommenen Scheitern, lausche ich den Klängen der Stille. Das Rauschen der Wolken auf dem Weg in unsichtbare Ferne. Der Flügelschlag einer Schwalbe, die zärtlich meinen Atem in Stücke schneidet. Das Zirpen der Grille, einsam auf einem vertrockneten Grashalm. [...]
Ins Licht
11. Juli
Ins Licht die Gedanken wie der Blick eines Blinden, dem die Finsternis falsche Versprechen zuflüstert. Der Sonne entgegen, aber nur auf dem Papier – doch was könnte wirklicher sein? Die Dunkelheit der Welt ist mein Zeuge. Niemand hört zu, niemand fragt danach, niemand bemerkt es – und doch ist alles anders. Urplötzlich an der Oberfläche, [...]
Verschlossen
17. August
Verschlossen die Tür, durch die ich eben noch gegangen bin, der Weg zurück versperrt, fast so, als hätte es ihn niemals gegeben. Vergessen meine Herkunft, all die Stationen meines Lebens, die ich hinter mir ließ – wie ausgelöscht. Die Orte, an denen ich blieb, vielleicht nur für eine kurze Weile – von der Landkarte verschwunden. [...]
Tief im Innern
25. August
Tief im Innern des Berges, begraben unter Jahrtausenden einer Geschichte, die niemals stattgefunden hat, menschenleer und sprachlos, versteinert wie die Bilder eines Traums, geträumt von den Gewalten der Natur, ahnungslos und beseelt. Die Finsternis des Schweigens auf dem Weg in die Unterwelt. Ein einziger Tropfen Licht, der meine Haut erglühen lässt wie eine Sternschnuppe ohne [...]
Das Böse
10. Oktober
Das Böse unter falschem Namen und mit aufgesetztem Lächeln, bunt geschminkt und liebreizend gekleidet – die Freundlichkeit in Person, unnahbar und verlockend zugleich. Eine verschwommene Erinnerung, die sich in unseren Tagträumen einnistet, zu unbedeutend, um erlogen zu sein, zu wirklich, um unbemerkt zu bleiben. Mächte der Finsternis, die höflich an meine Tür klopfen, um mich [...]
Sternenstaub
25. Oktober
Sternenstaub in meinen Adern. Mein Herzschlag im Takt der Ewigkeit, unendlich schnell, ohrenbetäubend angesichts der lähmenden Stille des Universums. Ruhelos mein Blick, der von der Finsternis abprallt. Die Weite des Himmels zwischen den Zeilen, nirgends ein Halt, nirgends ein Sinn. Das Leben: diese Tropfsteinhöhle voller Touristen, dieser Parkplatz am Rand eines Vulkans. Ich bin auf [...]
Schlaf
26. Oktober
Schlaf über der Stadt wie eine schwere Wolke. Schweigend wälzt Nebel sich durch die verlassenen Straßen, unaufhaltsam und bedrohlich. Fenster werden geschlossen, Türen verriegelt. Die Nacht bricht herein wie ein Unglück, von dem alle wissen – und das dennoch niemand bemerkt. Zu oft schon haben wir es unbeschadet überstanden, so glauben wir. Zu oft schon [...]
Nicht ein einziger Traum
11. November
Nicht ein einziger Traum in dieser Nacht, die niemals endet. Seit einer Ewigkeit der schwarze Schlaf in den Eingeweiden der Geschichte, das Treiben der Wolken hinter geschlossenen Augen, das verkniffene Lachen der Finsternis in meinem Mund. Ganz ohne Worte: die Nachrichten aus dem Niemandsland der Stille. Sprachlos der Himmel ohne das Geschrei der Vögel, der [...]
Mit letzter Kraft
28. Dezember
Mit letzter Kraft ans rettende Ufer der Sprache oder vielmehr in die Finsternis der Hoffnung. Meine Worte sind wie eine Reißleine ohne Fallschirm – nutzlos und ohne Sinn auf meinem Sturz vom Sofa. Ich rede, weil ich den Mund nicht halten kann, ohne von der Wirklichkeit verschluckt zu werden. Wenn ich spreche, bringe ich die [...]