Fast unbemerkt der Untergang eines Sterns an diesem Abend, keine Kameras am Sterbebett, kein voreiliger Nachruf in den Notizbüchern der Allwissenden. Heimlich und still, ein Abschied ohne Schmerz und Tränen. Ein letzter Wunsch, den niemand hört, ein letztes Versprechen, unerfüllt wie all die anderen – dennoch ist nicht der richtige Augenblick, über Verfehlungen nachzudenken. Ein Abschied [...]
Archiv für das Stichwort ‘Schmerz’
Zwischen den Zeilen
12. März
Zwischen den Zeilen deines Lächelns das Erschrecken. Das blinde Wüten jenes gütigen Gottes, der über uns richtet mit Sturm und Flut. Die zerstörende Wucht seines Atemzugs, schlafend, ein kleines Kind, dessen fröhliche Träume die Erde erschüttern. Deine Angst, von schützender Hand erdrückt zu werden, unbemerkt, deine Trauer, dein Schmerz im Dunkel all der erloschenen Sterne. [...]
Gute Nachrichten
15. März
Gute Nachrichten sind Mangelware in einer Zeit der Katastrophen. Hoffnung ein Fremdwort. Haltlos klammern wir uns an Strohhalme, um dem Elend zu entgehen – für ein paar Sekunden vielleicht. Schalte den Fernseher ein, schließe deine Augen. Längst schon gibt es nichts mehr zu sehen. Was du wissen musst, steckt in deinem Körper. Schlag die Zeitung [...]
Die vergessene Sprache
25. März
Die vergessene Sprache, verschwiegen wohnt sie in den Dingen, unbemerkt zwischen Ausrangiertem und Weggeworfenem. Kein Mensch, der sie spricht, niemand, der sie versteht – es gibt ja nichts mehr zu sagen. Längst sind ihre Worte dem Singsang des Notwendigen gewichen, ihre Bedeutsamkeiten dem Geschwätz des Unentbehrlichen. Insgeheim verborgen, nutzlosem Plunder näher als den Lippen der [...]
Kein Mitleid
4. April
Kein Mitleid mit dem Fremden im Spiegel. Blass und ausgezehrt das Gesicht, der Blick trüb ins Nichts gerichtet oder in ein inneres Exil. Seine Hände zittern, das Fieber steigt – bedauernswerter Sterblicher, von den Göttern verlassen. Was ist dir geblieben? Schweiß auf deiner Stirn, Tränen in deinen Augen. So groß bist du einst gewesen, dass [...]
Tag ohne Licht
27. April
Tag ohne Licht – mein Leben nur ein Schatten deines Fernbleibens, ein dunkler Fleck auf diesem weißen Blatt Papier. Ich vermisse dich nicht, ich erkranke an deiner Abwesenheit, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Um ehrlich zu sein, bemerke ich es nicht einmal – ich lausche bloß dem Geflüster in mir, den Gerüchten, [...]
Aus allen Wolken
24. Juli
Aus allen Wolken der Regen, ein Schleier, der sich über die Welt legt wie ein fadenscheiniges Leichentuch, lautlos fast, und alles unter sich begräbt, was nach Licht und Wärme hungert. Kein Entkommen, wie es scheint, nicht einmal ein schwaches Aufbäumen. Gnadenlos sanft die Heerschar der stillenTropfen, unbeirrbar und unwiderstehlich. Kein Schrei, kein Schmerz. Unmerklich das [...]
Zerbrochen
8. August
Zerbrochen dieses Glück in meiner Hand, so klein und unscheinbar, dass ich es gar nicht bemerkt hatte. Fast wie ein winziger Splitter, der sich unter die Haut bohrt, unbemerkt, bis er völlig verschwindet, wer weiß wohin. Mit dem Verschwinden erwacht der Schmerz, dieses scheue Tier, das sich von falschen Erinnerungen ernährt. Dieser verlorene Schatten, der [...]
Fehl am Platze
15. August
Fehl am Platze: der stechende Schmerz deines Lächelns in meiner Brust, so unwirklich, dass ich mich frage, wie ich gestern noch glücklich sein konnte. Das Sonnenlicht deiner Augen – als ob die Welt nicht längst schon viel zu hell wäre. Die Stille im Schatten deiner Schritte, von denen keiner dich zu mir führt oder auch [...]
Schnee
8. Oktober
Schnee in meiner Hand – für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er schmilzt. Die Zeit selbst überflüssig wie eine Wolke unter meiner Haut. Dieser Ort so nah dem Vergehen. Licht wird zur Farbe. Schmerz zur Musik. Schlaf zur Unzeit. Diese Welt: aus Wasser gebaut – wie meine Worte, die unbemerkt im Sand verlaufen. Die Wüste [...]
Gestohlene Träume
2. November
Gestohlene Träume, die mir ein Leben vorgaukeln, das längst vergangen ist, verloren im labyrinthischen Flickwerk aus Erinnerung und Vergessen. Was ich weiß, ist immer nur die halbe Wahrheit, eine Andeutung dessen, was Sache ist. Ich erlebe die Wirklichkeit als Schauspiel, mittendrin und unbeteiligt. Wenn ich träume, ist es, als würde ich verbluten. Ich spüre keinen [...]
Niemand weiß
10. Dezember
Niemand weiß, wovon du redest, wenn du über deinen Schmerz sprichst. Niemand ahnt, worum es geht, so sehr du dich auch bemühst, es allen zu erklären. Welchen Schmerz auch immer du mitzuteilen versuchst – es kommt nichts davon beim anderen an. Der Schmerz in deinem Kopf, in deinen Knochen, in deiner Seele. Du kannst sagen, [...]
Verletzlich
19. Dezember
Verletzlich die dünne Haut des menschlichen Lebens, bedroht nicht allein durch den stets nahen Tod, sondern durch das Wissen darum. Wir tanzen mit unserer Vorstellung von dem, was uns auslöscht. Mit unserer Ahnung, dass alles endet. Wenn wir gehen, gehen wir allein, aber mit einer ganzen Welt im Gepäck. Vielleicht ist noch Zeit – doch [...]