Fluch oder Segen – oder vielleicht keines von beiden, bloß die belanglose Gleichgültigkeit tagein und tagaus, das leere Gerede von Sinn und Bedeutung, derselbe Horizont, wohin man auch schaut, der stets gleiche Klang deiner Schritte, wohin du auch gehst, wie weit der Weg auch sein mag, wie nah oder fern dein Ziel. Kein Himmel, der [...]
Archiv für das Stichwort ‘Schritte’
Schritte
16. Mai
Schritte, die sich entfernen, bis sie im Dunkel der Nacht verstummen. Gesichter, die man nicht erkennt, weil ihnen der menschliche Schimmer abhanden gekommen ist. Namen, die sich – noch während man sie ruft – in Luft auflösen. Ein Vogelschwarm in den Wolken, die gespitzten Lippen der unsichtbaren Sonne – kein Tag, der mich nicht belügt, keine Stunde, [...]
Sperrgut
21. Mai
Sperrgut – all die Träume, hübsch verpackt in glitzernde Folie oder buntes Papier, all die Hoffnungen, manchmal fast zum Greifen nah und doch aus einer anderen Welt. All die verlorenen Augenblicke, weit zurück oder sogar jetzt – in einem anderen Leben. Dieses einmalige Lachen, das mir nicht aus dem Kopf geht, obwohl es längst verklungen [...]
Schöne Grüße
15. Juli
Schöne Grüße aus den unsäglichen Tiefen meiner Langeweile, ein Vogel, der eine Wolke durchbohrt auf dem Weg ins Vergessen, gedankenlos, unschuldig auf seiner Reise ohne Anfang und Ende. Mein Hilfeschrei wie eine Postkarte aus farbenfroher Fremde: eben noch bin ich dort gewesen, wo jetzt bloß noch schwarze Leere klafft. Mensch ohne Gedächtnis, nackt in den [...]
Auf der Stelle
9. August
Auf der Stelle treten, kraftlos und schön, einmal um die ganze Welt, ohne sich vom Fleck zu bewegen – wohin soll das führen? Die ungezählten Schritte ins Ausweglose. Die Blicke, heimlich und verstohlen, in eine unwirkliche Leere. Kein Horizont, der mich aufhält, keine Straße, die mich an sich kettet. Die einsame Wanderschaft eines Toten ohne [...]
Fehl am Platze
15. August
Fehl am Platze: der stechende Schmerz deines Lächelns in meiner Brust, so unwirklich, dass ich mich frage, wie ich gestern noch glücklich sein konnte. Das Sonnenlicht deiner Augen – als ob die Welt nicht längst schon viel zu hell wäre. Die Stille im Schatten deiner Schritte, von denen keiner dich zu mir führt oder auch [...]
Ein Anfang
7. September
Ein Anfang, irgendwo in der Mitte des Weges. Eine geöffnete Tür auf halber Strecke – ins Unbekannte. Zähle nicht die Schritte, die aus dem Dunkel herausführen, nicht die Steine, die unter deinen Schritten zu schwarzem Staub zerfallen. An diesem Punkt beginnt dein Leben erneut, vielleicht gerade in dem Augenblick, da du dich umschaust, zurückblickst. Woran [...]
Unterwegs
11. September
Unterwegs durch nicht enden wollende Nacht, allein auf einer hell erleuchteten Straße, die mich durch versteinerte Schwärze führt. Dumpfe Langeweile in Gedanken an einen unbemerkt verstrichenen Tag. Keine Zeit mehr, die mich in der Welt hielte, kein Himmel, der mich zu Boden drückt, kein Mensch, dem ich ausweiche. Nur die spitzen Schritte eines Schattens. Dem [...]
Wovon ich spreche
17. September
Wovon ich spreche, wenn ich nichts sage, weil nichts mehr gesagt werden kann. Wovon ich rede, wenn mir nichts mehr einfällt. Was ich erzähle, wenn alle Geschichten vergessen sind. Wovon ich schweige, wenn alles auf der Hand liegt. Was ist zu tun, wenn der Boden unter deinen Schritten aufleuchtet? Und was, wenn ein Berg dich [...]
Kein Weg
23. September
Kein Weg, der mich zu dir führt, keine Straße. Kein Boden unter den Füßen. Meine Schritte verhallen in trüber Leere. Die letzten Sonnenstrahlen zerschneiden den Flug der Vögel. Kein Wind, der mich fortweht, keine Wolke, die mich trägt. Ich sehe die Welt mit den Augen eines Gefangenen. In meiner Hand das sterbende Herz der Stille. [...]
Das Ende
26. September
Das Ende so nah, dass ein Anfang nicht lohnt. Von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Zwei, drei Schritte vielleicht, ein kleiner Sprung – schon stößt man mit der Stirn vor die Wand. Ein Atemzug, ein halber Herzschlag – plötzlich hält die Welt inne. Ganz ohne Grund, ohne einen Sinn. Als ob in meinem Kopf alle [...]
Spaziergang
27. Oktober
Spaziergang durch eine Welt, die mir vertraut ist, über Wege, die ich schon als Kind gegangen bin, auf Straßen, deren Namen ich weiß. Alle Ecken und Winkel kenne ich. Gärten hinter bemoosten Mauern, das Gras im Schatten der Bäume. Die Verstecke und geheimen Pfade. Der Klang meiner Schritte balanciert auf dem Wind, der um die [...]
Eine Krankheit
31. Oktober
Eine Krankheit wie jede andere: das Leben – Geschenk desTeufels, das man nicht ausschlagen kann. Ein Tröpfchen Blut, das Wunder vollbringt und tötet. Eine Wunde, die sich niemals schließt. Es gibt keine Heilung außerhalb der Sprechzeiten, keine Hoffnung für die Infizierten. Es gibt kein Entrinnen. Der Tod ist nur ein Symptom. Du kannst rennen, aber [...]
Schöne Aussicht
9. November
Schöne Aussicht: der Blick ins Innerste dieses Tages, der nichts von sich preisgibt außer ein paar blinkenden Lichtern, stummen Schatten und verschwommenen Gesichtern. Ich steige hinab in die Unterwelt der flüchtigen Eindrücke. Straßen, die unter dem Gewicht meiner Schritte zerreißen. Spiegel, die zu Gedanken werden – und zerbrechen. Das Raunen der Ferne, ein Seufzer der [...]
Das dunkle Rauschen
3. Dezember
Das dunkle Rauschen der Ferne, so kalt, so lebendig. Zahllose Stimmen, die sich dem Vergessen entringen, längst Vergangenes, das sich mitteilt wie ein winkendes Kind auf der anderen Straßenseite. Das Geschwätz der Liebenden. Die tastenden Schritte der Blinden am hellichten Tag. Das Lachen der zum Tode Verurteilten. Unnahbar die Abgeschiedenheit einer anderen Zeit, einer anderen [...]
Auf der Durchreise
11. Dezember
Auf der Durchreise in dieser Stadt, in diesem Leben. Ohne Eile – und doch keine Zeit zum Verweilen. Ein Fremder nur, namenlos, von niemandem erkannt, unsichtbar in der Menschenmenge. Gerade erst angekommen, muss ich schon wieder fort. Kein Ende des Weges in Sicht, kein Ziel, keine letzte Ruhe. Ich besitze nichts außer dem, was ich hinter [...]
Weißes Rauschen
20. Dezember
Weißes Rauschen auf meiner Haut: das eisige Flüstern des Windes. Mit dem Kopf voran durch die Nacht, die so undurchdringlich ist wie der traumlose Schlaf meiner Schritte. Ein Stern in meinen Haaren, die Stille fest in meiner Hand. Für einen Augenblick gehört diese trostlose Welt mir, ich habe sie erdacht, sie zu zu meinem Innersten [...]