Ein letzter Atemzug, bevor dieser Tag sich aus dem Staub macht, ohne Glanz und Fanfaren, klammheimlich wie ein räudiger Hund. Ein letzter Blick, nach langem Regen, zum wolkenlosen Himmel. Zeit für einen Wink mit dem Zaunpfahl. Wie ich mich auch drehe und wende, der eisige Hauch bügelt mir die zerknirschte Denkerstirn glatt. Wie Fähnchen im [...]
Archiv für das Stichwort ‘Wind’
Weite Welt
16. Juni
Weite Welt, wohin man auch blickt, das Leben: nur eine Armlänge entfernt, höchstens einen Steinwurf. Ein Fenster im Haus auf der anderen Straßenseite, kein Geräusch außer dem dumpfen Rauschen der Ferne, ein Gesicht vielleicht hinter vergilbter Gardine, Augen, die mich ansehen – oder doch nur ein seelenloser Schatten, eingesperrt in den Käfig meiner Vorstellungskraft. Wolken, [...]
Wohin
5. Juli
Wohin mit all der Dunkelheit, die aus meinen Augen quillt, sobald ich mich der Welt verschließe? Wohin mit dem Lachen, das mir aus unerreichbarer Ferne winkt? Wohin mit den Sternen, die vom Himmel regnen wie tote Vögel. Zu klein meine Hände, um das Sonnenlicht zu fassen oder den Wind. Meine Füße zu schwer, um einen [...]
Wenn der Wind weht
23. Juli
Wenn der Wind weht, wird die Oberfläche einer Pfütze zum Spiegel meines Lebens. Begegnung mit einem Phantom – niemand, der sich selbst erkennt, wenn er sich gegenübersteht. Ein Gespenst, verdammt zur ewigen Unruhe. Ein Fragender, der sich abwendet, um die Antwort nicht zu hören. Niemand, der die Wahrheit wissen will, wenn er ihr ausgeliefert ist.
Unberührbar
12. September
Unberührbar, was ich morgen tun werde, was ich denke, was ich will, und doch wirklich genug, um meinen Namen zu tragen. Ohne Bedeutung vielleicht und unbestimmt, zugleich so sicher wie die Wolken am Himmel oder der Wind in den Gräsern. Oder eben doch beliebig. Was weiß ich schon von mir selbst? Von meinem Handeln? Von [...]
Kein Weg
23. September
Kein Weg, der mich zu dir führt, keine Straße. Kein Boden unter den Füßen. Meine Schritte verhallen in trüber Leere. Die letzten Sonnenstrahlen zerschneiden den Flug der Vögel. Kein Wind, der mich fortweht, keine Wolke, die mich trägt. Ich sehe die Welt mit den Augen eines Gefangenen. In meiner Hand das sterbende Herz der Stille. [...]
Kurz und schmerzlos
29. September
Kurz und schmerzlos: der Abschied vom Leben in diesem unscheinbaren Moment des Vergessens. Hörst du meine Worte? Meine Lippen verfangen sich im Wind. Nichts regt sich. In deinem Gesicht mein Schatten. Das Ende der Welt, dort, wo unsere Wunden sich berühren.
Nur ein Spiel
3. Oktober
Nur ein Spiel: der Ernst des Lebens, unmöglich zu gewinnen – also spielen wir weiter, bis irgendwann nichts mehr geht. Worte wie rollende Würfel. Dein Blick eine Münze, die der Wind wirft. Dein Lachen ein Ball, der über dem Horizont verschwindet. Wir hinken der Zeit hinterher, Zugvögel ohne Geschichte, mit jedem Flügelschlag bereits auf dem [...]
Spaziergang
27. Oktober
Spaziergang durch eine Welt, die mir vertraut ist, über Wege, die ich schon als Kind gegangen bin, auf Straßen, deren Namen ich weiß. Alle Ecken und Winkel kenne ich. Gärten hinter bemoosten Mauern, das Gras im Schatten der Bäume. Die Verstecke und geheimen Pfade. Der Klang meiner Schritte balanciert auf dem Wind, der um die [...]
Wenn ich
12. Dezember
Wenn ich ein Vöglein wäre, mit Augen so tief wie die Abgründe in meinen Träumen, oder vielleicht ein Schmetterling, mit Flügeln, die bei Sonnenuntergang in allen Farben dieser Welt erglühen – wollte ich dann hoch hinaus? Würde ich aufschauen zu den Sternen oder mich in dunklen Höhlen verkriechen, aus Angst vor der Weite des Himmels? [...]
Weißes Rauschen
20. Dezember
Weißes Rauschen auf meiner Haut: das eisige Flüstern des Windes. Mit dem Kopf voran durch die Nacht, die so undurchdringlich ist wie der traumlose Schlaf meiner Schritte. Ein Stern in meinen Haaren, die Stille fest in meiner Hand. Für einen Augenblick gehört diese trostlose Welt mir, ich habe sie erdacht, sie zu zu meinem Innersten [...]