Archiv für das Stichwort ‘Wirklichkeit’

Kein Erwachen

Kein Erwachen aus dieser Wirklichkeit. Man öffnet nicht einfach die Augen und beginnt von vorn oder macht da weiter, wo es nicht wehtut. Dieses Leben ist nicht verhandelbar – unumstößlich, was geschehen ist, unbeirrbar, was daraus folgt. Man wendet sich nicht ab, ohne daran zugrunde zu gehen, das ist gewiss. Niemand tritt einen Schritt zur [...]

In aller Kürze

In aller Kürze ein ganzes Leben, auf engstem Raum alles ausgebreitet, einfach alles, nichts vergessen, kein einziges gekrümmtes Haar. Zwei, vielleicht drei Schritte bis zur nächsten Tür, verschlossen, dahinter Schreie, Musik. So unvorstellbar nah die Wirklichkeit, nicht einmal verborgen, geradezu unheimlich. Kein Fenster. Das flackernde Licht einer Kerze, beinahe lärmend. Ohne Umschweife taste ich mich [...]

Ein einziger Schritt

Ein einziger Schritt genügt, um in den Abgrund zu stürzen, die kleinste Unachtsamkeit führt ins Verderben, ein winziger Fehltritt, damit die Welt vor die Hunde geht. Zerbrechlichkeit ist uns in die Wiege gelegt. Die Nächte unseres Denkens – perforiert von Angst und Sorge, böses Erwachen selbst dem Sekundenschlaf eingeboren. Dennoch schließe ich die Augen, um [...]

Aus dem Ärmel

Aus dem Ärmel geschüttelt ein paar Zeilen, ohne Hand und Fuß, schließlich drängt die Zeit. Und was, wenn es nun doch einer liest? Wenn einer bemerkt, dass diese letzten Worte des Tages ergaunert statt erkämpft sind? Dass sie nicht mit deinem Blut geschrieben sind, nicht einmal mit Tinte? Doch am Ende kräht kein Hahn danach. [...]

Nur keine Eile

Nur keine Eile bei allem, was du ohnehin nicht tust, bei allem, was du versäumst, was du vergisst. Unendlich viel, das unerledigt bleibt, manches nicht einmal begonnen. Die Wirklichkeit so armselig, gefangen in deinem Denken – wie in einer Gruft. Ruhe sanft, während das Leben an dir vorüberzieht. Niemand stört deinen Dornröschenschlaf. Was du für [...]

Hand in Hand

Hand in Hand, die Augen geradeaus, keine geheimnisvollen Blicke, kein Flüstern und kein Murmeln – vor uns das schwarze Loch, auf das wir zusteuern wie Schiffbrüchige, nur knapp dem Untergang entronnen, glücklich in unserem Halbschlaf, der uns die Träume ebenso vorenthält wie die Wirklichkeit. Keine Engel, die unseren Weg kreuzen, wir sind allein. Die Zeit [...]

Zwei Seiten

Zwei Seiten der Wirklichkeit oder dessen, was ich sehe, wenn ich mich abwende, die Augen schließe. Das Leben von hinten und von vorne – eine Frage der Perspektive, reine Ansichtssache. Das Innere der Dinge und wie sie mir erscheinen, wenn ich die Suche danach aufgebe. Wahrheiten, die niemand hören will, und Lügen, die uns um [...]

Wüste der Wirklichkeit

Wüste der Wirklichkeit: was du siehst, was du fühlst, was du bist – nichts davon ist wahr. Dein Leben: ein Hirngespinst. Ein nervöses Flimmern in den Eingeweiden der Schöpfung. Schlechte Kunde für Engel und Honigbienen. Das Leben beginnt erst noch. Doch was ist es dann, woran wir uns mit angehaltenem Atem klammern? Die drei Schattenseiten des [...]

In der Fremde

In der Fremde geboren, der Welt von Anfang an abhanden, abseits aller Wege ins Glück. Das erste Wort Verzweiflung. Der erste Gedanke ein schwarzes Loch. Gesäugt von der Sprachlosigkeit des Unwirklichen. Geschlagen vom Lächeln der Geborgenheit. Fern von hier, unerreichbar, dieser Ort, den ich niemals verlassen habe. Von der Wirklichkeit eingeholt: der gespielte Schmerz eines [...]

Ertrinken

Ertrinken in Stille, ausgefüllt vom Schweigen all jener Dinge, die meinem Leben Wirklichkeit einhauchen. Das Unerhörte gibt meiner Leere einen Namen, dennoch bleibe ich unerkannt, ein Fremder, ganz in schwarz gekleidet, das Gesicht verhüllt. Beinahe unsichtbar vor der dunklen Mauer des Regens. Bewege ich mich, kaum merklich, zeichnet das Zittern der Luft meine Konturen nach. [...]

Nichts als die Wahrheit

Nichts als die Wahrheit, wie hilflos auch immer das sein mag. Wie fern von der Wirklichkeit, wie abwegig inmitten all der Lügen und Verkommenheiten in mir. Jedes Wort bringt neue Falschheiten hervor, ich betrüge, wenn ich den Mund öffne. Wenn ich schweige. Ich sehe, wenn ich die Augen schließe. Ich sehe nichts, wenn ich in [...]

Mit letzter Kraft

Mit letzter Kraft ans rettende Ufer der Sprache oder vielmehr in die Finsternis der Hoffnung. Meine Worte sind wie eine Reißleine ohne Fallschirm – nutzlos und ohne Sinn auf meinem Sturz vom Sofa. Ich rede, weil ich den Mund nicht halten kann, ohne von der Wirklichkeit verschluckt zu werden. Wenn ich spreche, bringe ich die [...]